Eltern Familien Herzensblog

Regenparty

Mai 1, 2020

Nachdem ich es heute doch tatsächlich den ganzen Tag geschafft hatte, mich ausschließlich innerhalb unserer Wohnung zu beschäftigen, hatte ich nach dem Abendessen das dringende Bedürfnis, Frische Luft zu schnappen.

„Kinder, habt Ihr Lust mit mir noch eine kleine Frischluft-Runde zu drehen?“ – „Ja, juhuuu!!!“

Sie jubelten, weil es eher selten ist, dass ich einen solchen Vorschlag kurz vor dem Schlafengehen mache.

Der gesamte Wangerclan machte sich wetterfest, denn der für Mensch und Natur so notwendige Regen hatte endlich wieder Einzug in unsere Landschaft gefunden. Nach 10-minütiger Einkleide-Orgie waren wir endlich bereit, unseren Ausflug anzutreten. Die Kinder hatten erfreulicher Weise daran gedacht, Regenschirm mitzunehmen, so dass alle Häupter auf dem Weg trocken blieben. Nach 5 Minuten entschieden die Kids, dass es irgendwie langweilig sei, einfach nur mit dem Regenschirm durch die Prärie zu watscheln. Also kehrten wir um – mir war ja schließlich wichtig, dass sie glücklich und zufrieden waren. Zu dem Zeitpunkt war ich in so einer typischen „Wenn es den Kindern gut geht, geht‘s mir auch gut“-Stimmung. Die beiden Wirbelwinde holten sich ihre Roller aus dem Keller und machten sich für unseren erneuten Tourstart bereit. Der Regen war in der Zwischenzeit etwas deutlicher geworden. Vor unserer Haustür war Amelie der Meinung, ihr Schirm sollte doch vorsichtshalber am Roller befestigt sein, damit sie für den Fall eines heftigen Regengusses, der sich unterwegs spontan ergeben könnte, gerüstet sei. Weder der Roller noch der Schirm waren allerdings von den jeweiligen Herstellern dafür vorgesehen, aneinander befestigt zu werden. Amelie war das aber völlig egal. Sie holte aus der Wohnung einen Schal, Scrunchie und Haargummis, um ihr Experiment zu starten. Der Schirm muss an den Roller! Nach längerem, akribischem Hin- und Her-Gewerkel sowie der Erkenntnis, dass das ein schwieriges Unterfangen war, war es Amelie dann doch noch gelungen, Roller mitsamt Schirm in fahrtaugliche Verfassung zu bringen. Amelie rauschte mit ihrer kreativen Konstruktion über den Platz vor unserem Haus und war damit bereit für unseren Ausflug.

Isabella, die das Spektakel aufmerksam beobachtet hatte, war unterdessen damit beschäftigt, ihren Roller ebenfalls aufzumotzen. Ihr Schirm war allerdings anders als der ihrer Schwester. Zudem spielte es eine Rolle, dass sie größer ist. Und das Material, welches sie für die Befestigung ihres Schirms zur Verfügung hatte, war deutlich weniger. Sie schmollte, war sauer, weil es ihr nicht auf Anhieb gelang, sich ein ebenso wetterfestes Gebilde zu bauen, wie es ihre Schwester bereits getan hatte. Ich bot ihr an, ihr zu helfen, wenn sie weiteres Material aus der Wohnung holen würde. Sie schmollte zunächst weiter, erklärte sich dann aber doch noch bereit, für Nachschub zu sorgen. Gemeinsam wickelten wir einen Scrunchie, einen Gürtel, eine Schnur sowie eine Spiel-Pferdeleine um Roller und Schirm. Wir waren gefühlte 20 Minuten mit der gesamten Vorbereitung der Roller für unseren Ausflug im Regen beschäftigt.

Gut, dass unser Haus einen ausreichenden Dachvorsprung als trockenen Unterstand bot. Nicht, dass ich zwischendurch nicht drüber nachgedacht hätte, dass sich die Kinder eventuell anstelle der Regenschirmbefestigungsaktion auch einfach Regenjacken anziehen hätten können. Etwa eine Stunde nach unserem ursprünglichen Start war die gesamte Familie der Ansicht, für den Ausflug im Regen fertig und gut gerüstet zu sein. Mutter, Vater, drei Kinder und zwei mit Regenschirm gewappnete Roller standen bereit. In dem Moment hörte es auf, zu regnen. Die Regenschirm-Roller-Besitzerinnen schauten betröppelt aus der Wäsche. Zudem war meinem Mann und mir aufgefallen, dass es schon längst Zeit für die Kids war, schlafen zu gehen. Na gut, eine kleine Testrunde mussten wir den exklusiven Rollern dann doch noch gönnen. Sie funktionierten einwandfrei – mit Regenschirm, allerdings ohne Regen. „Kinder, räumt Ihr bitte die Roller auf und kommt dann zum Zähneputzen?“ – „Ja gleich Mama, aber der Schirm geht nicht zu! Da sind der Schal und der Gürtel im Weg!“ Ich eilte zur Hilfe. Es erübrigt sich, zu erwähnen, dass die Demontage der aufwändig kreierten Sonderfahrzeuge eine weitere halbe Stunde in Anspruch nahm. Immerhin war ich auf diesem Weg zu meiner frischen Luft gekommen. 

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply